Tagblatt Online, 22. Februar 2012 01:04:26
Die Solarbranche kämpft mit Überkapazitäten
Die Solarbranche erlebt die grösste Krise in ihrer jungen Geschichte: «Wir haben massive Überkapazitäten», sagt Reinhard Benz, Leiter Strategische Verkäufe und Produktmarketing bei Oerlikon Solar. Laut einer Studie der Bank Sarasin stehen im laufenden Jahr einem Absatzpotenzial von 21 Gigawatt Produktionskapazitäten für Solarmodule von 50 Gigawatt gegenüber. Deshalb sind die Preise für Solarmodule stark abgestürzt.
Das sei auch eine Folge der Förderungen und der Einspeisetarife, sagt Benz in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Nachhaltigkeit.org. Wegen der sinkenden Zuschüsse etwa in Deutschland erwarten Experten, dass der Solarmarkt in Europa stagnieren wird.
Blick nach Asien
«Die Musik spielt in Asien», sagt Analyst Armin Rechberger. China ist aktuellen Studien zufolge auf dem besten Weg, zum grössten Solarmarkt der Welt zu werden, Indien folgt auf dem Fusse. Davon will auch Oerlikon Solar profitieren: «Unsere Module sind besonders geeignet für Länder mit grossen Freiflächen wie Indien oder China», sagt Benz. «Wir konzentrieren uns auf das Segment der grossen Solarfarmen.»
Trotzdem kommt die Solarsparte von OC Oerlikon nicht recht vom Fleck. «Oerlikon Solar hat momentan Mühe, Kunden für ihre Maschinen zu finden», sagt Branchenbeobachter Matthias Fawer. 2011 wollte Oerlikon Solar die Gewinnschwelle erreichen. Ob sie diese Vorgabe schafft, wollte Konzernchef Michael Buscher in einem Interview mit der «Handelszeitung» nicht verraten.
Zurückhaltende Investoren
Man befinde sich im steten Dialog mit möglichen Neukunden, vorwiegend aus China, sagt Benz. Die potenziellen Investoren seien allerdings wegen des unsicheren Marktumfelds sehr zurückhaltend. In der Ausrichtung auf die Schwellenländer sieht auch der Analyst Michael Foeth das grösste Problem für Oerlikon Solar. Die Weiterentwicklung der Technologie setze ausreichendes Kapital voraus. Dieses Geld müsse entweder durch neue Aufträge oder tiefere Ausgaben kompensiert werden, erklärt Foeth. Entweder gelingt also Oerlikon Solar der Durchbruch am breiten Markt, oder die Solarsparte könnte völlig umgekrempelt werden. Auch Oerlikon-Konzernchef Michael Buscher schloss in der «Handelszeitung» eine Verlagerung nicht mehr völlig aus.
Verkaufschef Benz weist dagegen im Gespräch mit dem Onlineportal Nachhaltigkeit.org auf die lange Geschichte von OC Oerlikon im Rheintal hin. «Aber natürlich machen wir uns Gedanken, wie wir unsere Kosten weiter reduzieren können, und dabei spielt Asien eine Rolle.» Patrick Stahl
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