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NZZ Online, 07. Februar 2012 15:24:00

Investmentbanking drückt auf Gewinn der UBS

Grossbank verkleinert Bonustopf um 40 Prozent

Die UBS musste im vierten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen. Zoom

Die UBS musste im vierten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen. (Bild: Reuters)

Das Investmentbanking hat der UBS erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Grossbank musste im vierten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen. Angesichts der Schuldenkrise blickt die Bank vorsichtig in die Zukunft.

Die UBS musste in einem von der Schuldenkrise geprägten Marktumfeld einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Der Reingewinn ist im vierten Quartal um 76 Prozent auf 393 Millionen Franken gefallen. Auf das Ergebnis drückte vor allem der Verlust im Investmentbanking.

Die Investmentbank hat im vierten Quartal einen Vorsteuerverlust von 256 Mio. Franken verbucht. Dem stand in der Vermögensverwaltung für reiche Kunden, dem Wealth Management, ein Vorsteuergewinn von 471 Mio. Franken gegenüber. Dort wurden Nettoneugelder in der Höhe von 3,1 Mrd. Franken angezogen, vor allem aus der Region Asien/Pazifik und den Schwellenländern sowie von superreichen Kunden aus aller Welt.

Damit hat die Grossbank die Erwartungen der Finanzexperten enttäuscht. Der einzige Punkt, der überzeuge, sei die Entwicklung der Kundengelder, sagte ein Händler. Laut den Analysten der Credit Suisse wurde das Ergebnis unter anderem von einer höher als erwarteten Steuerbelastung und schwächeren Ergebnissen im Wealth Management beeinträchtigt. Die UBS-Aktien haben an der Börse negativ auf die veröffentlichten Resultate reagiert.

Im letzten Geschäftsjahr hat die Grossbank einen Reingewinn von 4,2 Mrd. Franken erwirtschaftet. Insgesamt wurden im Wealth Management Nettoneugelder in der Höhe von 35,6 Mrd. Franken angezogen. Gemäss UBS-Finanzchef Tom Naratil hatte der Fall des früheren UBS-Händlers Kweku Adoboli keinen «materiellen Einfluss» auf die Entwicklung der Neugelder.

Bonus-Pool um 40 Prozent reduziert

Investmentbank-Chef Carsten Kengeter, dessen Rücktritt im Zuge des Handelsskandals der UBS gefordert wurde, wird auf einen Bonus verzichten. Insgesamt hat die Grossbank den Bonuspool im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 2,57 Mrd. Franken verkleinert; für die Investmentbanker fällt der Bonustopf 60 Prozent tiefer aus. Doch nicht nur beim Personal wird gespart. Die UBS kommt laut eigenen Angaben mit ihrem Kostensenkungsprogramm voran, mit welchem sie auf den Margendruck reagiert. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres hat die UBS die Zahl ihrer Mitarbeiter um rund 1100 gesenkt. Letzten Sommer wurde eine Stellenabbau von 3500 Stellen bekannt gegeben, im November einen von zusätzlich 500 Arbeitsplätzen. Die Möglichkeiten für zusätzliche Kosteneinsparungen sei begrenzt. Man werde aber weitere Massnahmen zur Senkung der Kosten ergreifen, falls sich die Märkte weiter verschlechterten.

Die Kapitalkraft der Bank wurde gestärkt. Die Kernkapitalquote (Tier-1) gemäss Basel 2.5 stieg auf 16 Prozent von 13,2 Prozent. Das vierte Quartal sei schwierig gewesen, kommentiert Teresa Nielsen, Analystin der Bank Vontobel. Die UBS verbessere aber ihre Kapitalisierung, wodurch sie ihre Ziele früher als erwartet erreiche und die Dividenden verbessern könne. Um die neuen Kapitalanforderungen an die Grossbanken rasch zu erfüllen, zieht die UBS eine Kapitalaufstockung via Zwangswandelanleihen in Betracht und baut vor allem die Risiken in der Investmentbank weiter ab. Am Investorentag vergangenen November hatte die UBS unter Konzernchef Sergio Ermotti entschieden, das Investmentbanking zu verkleinern.

Ende 2011 verwaltete die UBS Vermögen in der Höhe von 2167 Mrd. Franken. Nicht nur im Wealth Management gingen die Neugeldzuflüsse auf 3,1 Mrd. Franken von 3,8 Mrd. Franken im Vorquartal zurück. Auch im Amerika-Geschäft verminderten sich die Zuflüsse auf 1,9 Mrd Franken von 4 Mrd. Franken. In der Schweiz flossen unter dem Strich 1,8 Mrd. Franken ab. Anleger hätten Geld für den Konsum abgezogen, erklärt Finanzchef Tom Naratil.

Vorsichtiger Ausblick

Die Grossbank ist laut eigenen Angaben vergleichsweise wenig von der europäischen Schuldenkrise betroffen. Ihr Engagement betrifft Staatsanleihen der Eurozone und Kredite an europäische Banken. Die indirekten Folgen spürt die Grossbank trotzdem deutlich: Die europäische Schuldenkrise verunsichert Investoren und Kunden. Die UBS erwartet, dass ihre Kunden weiterhin wenig aktiv sind. Auch das Geschäft mit Aktien und Anleihen läuft harzig. «Das vierten Quartal war extrem negativ und für das neue Jahr sind wir sehr vorsichtig», sagt Sergio Ermotti an der Präsentation.

Die Unsicherheiten rund um die Staatsverschuldung und die weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft dürften anhalten. Normalerweise ziehen die Handelsvolumen und die Aktivität der Kunden im ersten Quartal des Jahres an. Dies könnte in diesem Jahr nun nicht im gewohnten Umfang stattfinden und damit vor allem die Resultate der Investmentbank in den nächsten Quartalen belasten, heisst es in der Mitteilung der UBS.

Die Grossbank warnt deutlicher als andere Konkurrenten vor einem schwierigen Marktumfeld. Institute wie die Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan oder Citigroup hatten im Schlussquartal ebenfalls zu kämpfen. So sank der Gewinn von Citigroup um 11 Prozent und die Deutsche Bank rutschte in die roten Zahlen.





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