Entrümpeln mit Köpfchen

Manchmal hilft es, die Prozesse eines Unternehmens neu zu denken. Das zeigte das 13. Ostschweizer Technologiesymposium zum Thema Innovative Produktionsprozesse. Anstösse dazu können auch neue Technologien wie 3D-Druck geben.
24. August 2013, 02:58
KASPAR ENZ

ST. GALLEN. «Viele KMU haben das Gefühl, Innovation sei etwas für Grossunternehmen», sagt Bernhard Neuhold. Er ist Präsident des Produktions- und Technologieverbundes Ostschweiz (PTV), der das Ostschweizer Technologiesymposium organisiert. Dieses soll dieses Jahr den 240 Teilnehmern, vor allem Vertreter von KMU, zeigen, dass auch sie innovativ sein können, sagt Neuhold. Mit innovativen Prozessen zum Beispiel.

Ein Paradox

Allerdings ist das Thema Prozessinnovation ein gefährliches, machte Daniel Keller in seinem Referat klar. «Eine Innovation ist eine bewusst herbeigeführte Veränderung», sagte der Professor an der Hochschule Rapperswil. Ein Prozess hingegen ein definierter Ablauf. Also «das pure Gegenteil». Trotzdem seien Prozessinnovationen wichtig, sagte Keller. Allerdings sollten sie radikal sein – und selten. Denn «damit ein Prozess wirklich effizient wird, muss man ihn möglichst oft machen».

Eine radikale Umkehr hat das Werk des Liebherr-Konzerns im vorarlbergischen Nenzing hinter sich. Dort werden Ausleger für die Liebherr-Krane montiert. Es kaufte vorher viele Bestandteile aus ganz Europa zu, erzählt Tobias Ströhle, Leiter der Ausrüstungsfertigung des Werks. «Das führte zu Unsicherheiten, hohen Lagerbeständen und Qualitätsunterschieden.» Und im Werk waren die Wege, die die Teile zurücklegten, lang und unübersichtlich.

Grund genug, das ganze Unternehmen umzukrempeln. Wo einst Gabelstapler die Auslegerteile transportierten, trägt nun ein Kran die Teile von einem Fertigungsschritt zum nächsten. Roboter machen einen grossen Teil der Arbeit. Trotzdem «brauchen wir heute mehr Schweisser als vorher», sagte Ströhle. Denn was man vorher zukaufte, macht das Werk nun selber. Die Durchlaufzeit eines Auslegers habe sich von sieben auf einen Tag reduziert.

Doppelspurigkeiten vermeiden

Auch wie man zu Innovationen kommt, will überdacht sein. Gross geworden sei die AFG-Gruppe durch intuitive Innovationen der einzelnen Unternehmen, sagte CEO Daniel Frutig. Dabei hätten aber manchmal verschiedene Tochterunternehmen an ähnlichen Projekten gearbeitet. «Solche Doppelspurigkeiten gilt es zu vermeiden. Es braucht systematische Führung.» Die AFG will sich nicht nur auf die Bauausrüstung fokussieren, sie will auch besser organisieren, welche Unternehmen an welchen Innovationen arbeiten – Fortschritte, von denen dann auch andere Unternehmen der Gruppe profitieren können. Das Problem sei, dass das Unternehmen noch viel zu wenig in die Entwicklung investiere. «Deshalb bin ich froh um das positive Halbjahresergebnis», sagte Frutig.


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