Direkte Links und Access Keys:

Neue Zürcher Zeitung, 07. Februar 2012 00:00:00

Vom Löwen zur Maus

Gökhan Inler, Captain des Schweizer Nationalteams, durchlebt eine schwere Zeit in der SSC Napoli

Gökhan Inler (l.) Zoom

Gökhan Inler (l.) (Bild: Reuters)

Tom Mustroph

Im Sommer eroberte er mit einer Löwenmaske Neapel. Im Herbst kürten ihn die Tifosi zum vierten der «Tenöre» – auf gleicher Höhe mit Lavezzi, Cavani und Hamsik. Doch seit einigen Wochen wird Gökhan Inler als «Fehleinkauf der Saison» bezeichnet. Das ist hart. Das ist ungerecht. Und es zeigt die Neigung zu extremen Emotionen in der Metropole des Südens. In der Übertreibung liegt aber eben auch ein Korn Wahrheit. Denn seit einiger Zeit ist der Schweizer Defensiv-Stratege zur Gefahrenstelle geworden. Ihm springen viele Bälle vom Fuss. Er verliert Zweikämpfe in der zentralen Zone des Platzes – und plötzlich wirken die Kollegen hinter ihm überfordert. Neapels schwarze Serie von nur vier Punkten aus den letzten fünf Meisterschaftsspielen ist auch das Resultat von Inlers Verwandlung in eine graue Maus.

Woran dies liegt, ist schwer zu ergründen. Das Trainingsgelände in Castelvolturno wird zur festen Burg, wenn Fragen fallen wie diese: Ist Inler ausgelaugt? Handelt es sich um Konzentrationsschwächen? Oder trifft ihn das Motivationsdefizit, das die gesamte Mannschaft vor allem gegen die vermeintlich «Kleinen» ergreift, einfach am schwersten? Die Misserfolge ereilten Napoli vor allem gegen schlechter eingestufte Teams. Nur das Remis gegen den Titelhalter Milan am Sonntag gibt Hoffnung. In diesem Match sass Inler bezeichnenderweise auf der Bank. Der Trainer Mazzarri, der den von ihm im Sommer stark gewünschten Spieler bei den letzten Auswechslungen demonstrativ umarmt und ihn auch in Interviews gegen den Zorn der Tifosi geschützt hatte, gab dem Druck der Strasse nach. An Inlers Stelle rückte Dzemaili. Der Kollege aus dem Schweizer Nationalteam löste seine Aufgabe gut. Nicht so perfekt zwar wie der unermüdliche Gargano, dessen Pressing Milan die Luft nahm. Aber er verfeinerte die Arbeit des Uruguayers. Kaum aber kam Inler Mitte der 2. Halbzeit, kehrte die Unsicherheit zurück.

Der Oltner befindet sich in einer kritischen Phase. In Mazzarri hat er zwar weiter einen Fürsprecher. «Ich habe ihm eine Pause gegönnt, damit er in zwei, drei Spielen wieder in Form ist», sagte der Coach. Aber wenn Inler nicht bald die Leistungsstärke wie im Herbst erreicht, wird er nur noch als grosser Fehleinkauf in Erinnerung bleiben. Die rund 21 Millionen Franken Ablösesumme drücken in diesen gesamtwirtschaftlichen wie sportlichen Krisenzeiten schwer auf die Gemüter.

Serie A. Ranglistenauszug: 1. Juventus 21/45 2. Milan 22/44. 3. Udinese 22/41. 4. Lazio 41. 5. Inter 36. 6. Roma 21/34 – 7. Napoli 22/31.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung.

(maximal 950 Zeichen)

* Pflichtfeld

Sie dürfen noch Zeichen als Text schreiben.

Die Redaktion sichtet die Leserkommentare und schaltet sie frei. Wir behalten uns vor, Beiträge nicht zu publizieren. Am meisten Chancen haben Kommentare, die direkt auf einen Artikel eingehen. Beiträge mit ehrverletzenden, rassistischen oder unsachlichen Äusserungen publizieren wir nicht. Der Korrespondenzweg ist ausgeschlossen.

  • Für registrierte Nutzer

  • Für nicht registrierte Nutzer

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken.

     
 



Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: