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Neue Zürcher Zeitung, 06. Februar 2012 00:00:00

Ein Mann der Familie

In seinem ersten Bundesliga-Duell mit den Bayern kommt der HSV-Coach Fink zu einem 1:1

Mit dem HSV weiter im Aufwind: Coach Thorsten Fink. Zoom

Mit dem HSV weiter im Aufwind: Coach Thorsten Fink. (Bild: Reuters)

Während der Hamburger SV sich unter dem früheren Coach des FC Basel, Thorsten Fink, zusehends stabilisiert, stagniert der FC Bayern unter seinem Cheftrainer Jupp Heynckes.

Stefan Osterhaus, Berlin

Ob dieses Lob die eigene Schwäche kaschieren sollte? «Kompakt und intelligent» habe der HSV verteidigt, sagte Jupp Heynckes nach dem 1:1 des FC Bayern in Hamburg – nach einem Match, der seine Bayern in einer zutiefst mediokren Verfassung zeigte. Zu wenig sei dies, um den Ansprüchen zu genügen, befand der Münchner Trainer. Und würde man den Präsidenten Uli Hoeness in solchen Situationen nicht kennen, so hätte dessen Gesichtsfarbe Anlass zu allergrösster Sorge gegeben.

Was wäre wohl in München los gewesen, wenn Hamburg die 1:0-Führung über die Zeit gebracht und den Bayern die sechste Niederlage im laufenden Wettbewerb zugefügt hätte? Ausgeschlossen war dies auf keinen Fall, denn der HSV präsentierte sich prächtig eingestellt. Und wenn man an das 1:5 der Hamburger an gleicher Stelle gegen den Champion Dortmund zurückdenkt, dann war dies ganz sicher ein Klassenunterschied, und zwar einer auf beiden Seiten: Nicht nur der HSV gab ein deutlich besseres Bild ab, die Bayern wirkten in Anbetracht ihrer Ambitionen seltsam welk. Doch der HSV-Coach Thorsten Fink, der Mann mit der langen Bayern-Vergangenheit, schaute nach seinem ersten Bundesliga-Duell gegen die Bayern nur auf sein Team: «Seit ich hier bin, war es von der Leidenschaft her das beste Spiel. Jeder hat die Fehler des anderen ausgemerzt.»

Aufwand war der Schlüssel zum Teilerfolg – und Finks Team betrieb reichlich davon. Taktisch mag es interessantere Trainer als den ehemaligen Basler Coach geben, seine Ansprachen aber scheinen selten zu verpuffen. Und mancher dachte sich, dass es vielleicht genau das ist, was den Bayern im Augenblick abgeht: eine Prise Elan, mehr Verve.

In München greifen vertraute Mechanismen: In jenen Augenblicken, in denen es nicht läuft, in denen das Ensemble an seine Grenzen stösst, da wird der Fehler meist in der Schaltzentrale gesucht, beim Trainer. Und hatte Fink nicht in den letzten Tagen vor dem Klassiker permanent erklären müssen, wie es um sein Verhältnis zu den Bayern bestellt ist?

Das Engagement als Profi, das von 1997 bis 2006 währte, grundiert sein Selbstverständnis und sein Selbstbewusstsein, das grenzenlos erscheint. Finks Credo, dass einer wie er, der bei den Bayern in der ersten Reihe stand, doch wisse, wie es in der Fussballwelt zugeht, ist der Quell seiner Glaubwürdigkeit. Das war schon beim FC Basel so, mit dem er zweimal gegen die Bayern spielte in der Champions League und dabei keinen schlechten Eindruck hinterliess.

Und hatte sich Fink nicht Rat in München beim ihm gewogenen Klubvorstand gesucht, als er wissen wollte, ob er aus dem sicheren Basel den Weg ins turbulente Hamburg antreten solle – zu einem Klub, der Trainer im Akkord verschliss? Und war es nicht Franz Beckenbauer höchstselbst, das Über-Ich des Rekordmeisters, der Fink als möglichen Nachfolger für Coach Jupp Heynckes in Gespräch brachte?

Einen Vorzug bringt Fink in jedem Fall mit: Er gehört zur Bayern-Familie. Doch allzu ernst braucht man solche Spekulationen nicht zu nehmen. Noch geniesst Heynckes aufgrund langer Familienzugehörigkeit Kredit in München. Und Finks Vertrag in Hamburg hat keine Ausstiegsklausel.





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