Bewohner von Visp gründen IG Quecksilber

Anwohner des mit Quecksilber verschmutzten Landwirtschafts- und Wohngebietes in der Region Visp VS schliessen sich zusammen. Sie gründeten am Montagabend die IG Quecksilber. Ihr Ziel: Die Verantwortlichen sollen für die Schäden und die Sanierung geradestehen müssen.
10. Juni 2014, 15:36

Rund 70 Personen nahmen an der Gründungsversammlung teil. Das beweise das grosse Interesse der Direktbetroffenen an der Quecksilberproblematik, schreibt die Gruppierung, in deren Co-Präsidium der frühere Walliser Staatsrat Thomas Burgener (SP) sitzt.

Der Verein hat zwei Ziele: Einerseits sollen alle Schäden auf Kosten der Verantwortlichen behoben werden. Anderseits will die IG, dass genaustens abgeklärt wird, welche Auswirkungen Quecksilber auf die Gesundheit von Menschen und Tieren haben kann.

Widersprüchliche Informationen

Als eine der ersten Handlungen will der Verein ans kantonale Gesundheitsdepartement gelangen, wie Burgener am Dienstag der Nachrichtenagentur sda sagte. Die bisherigen Informationen über das Ausmass und die Gefährlichkeit der Quecksilberbelastung seien widersprüchlich.

Auf der einen Seite sagten die Ärzte, es bestehe keine direkte Gefahr für die Gesundheit der Menschen, zumindest gebe es kein Indiz dafür, sagte Burgener. Auf der anderen Seite habe der Kanton den Kindern das Spielen auf kontaminierten Böden verboten. Dies sei verwirrend.

Die IG Quecksilber versteht sich als Ansprechpartnerin für verunsicherte Betroffene. An einer der nächsten Sitzungen sollen die nächsten Aktionsschritte bestimmt werden. Die Co-Präsidenten werden zudem in der Arbeitsgruppe mitmachen, in der Vertreter der Lonza AG, des Kantons und der betroffenen Eigentümer die Problematik unter allen Aspekten diskutieren werden.

Dutzende Tonnen Quecksilber

Die Quecksilberbelastung in der Region Visp stammt von der Chemiefirma Lonza. Sie leitete in den Jahren 1930 bis 1970 Dutzende von Tonnen von Quecksilber in den Grossgrundkanal und von dort in den Genfersee.

Die Angaben zur Gesamtmenge gehen je nach Informationsquelle weit auseinander. Die Lonza spricht von 28 bis 50 Tonnen, während die Organisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz von über 200 Tonnen ausgeht. Die Verschmutzung betrifft Landwirtschaftsland und bewohnte Grundstücke westlich von Visp. (sda)


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