Ein bisschen Weltuntergang

THEATER ⋅ In einem Monat ist fertig mit lustig: Das Theagovia-Theater in Weinfelden besingt das Weltende. Sein neues Stück «Gangunterwelt» kommt gut an – es setzt auf Augenzwinkern, Livemusik und spritzige Ideen.
06. November 2017, 05:18

Vor 60 Millionen Jahren mussten die Saurier dran glauben, in vier Wochen ist die Menschheit dran. Ein Komet rast auf die Erde zu. Was tun? Den Kopf in den Sand stecken? In die Sterne gucken? Auf die Wissenschaft vertrauen, den Politikern trauen? Dem Grossen Nuru folgen, der sich dann absetzen wird? All das kommt vor in «Gangunterwelt», dem neuen Stück des Theagovia-Theaters. Und auch die Liebe.

Regisseurin Michaela Bauer hat mit dem Laienensemble ein temporeiches Stück entwickelt, das sich anlehnt an Jura Soyfers Satire «Weltuntergang», aber auch Motive etwa aus Michel de Ghelderodes «Ballade vom grossen Makabren» verwendet.

Bewegung, Komik und reichlich ­Livemusik

Beide entstanden in den 30er-Jahren, die Theagovia hat «Gangunterwelt» in die Neuzeit geholt. Doch wenig hat sich geändert am Verhalten der Menschen, wenn eine Katastrophe droht. Nur will sich jetzt eine Frau noch liften ­lassen und Fotos auf Facebook hochladen, und statt Hitler hebt Trump zu einer Rede an.

«Gangunterwelt» bricht den Ernst der Vorlage, setzt auf Ironie, Bewegung und spritzige Einfälle wie die Nonsensesprache des Diktators. Und auf viel Livemusik. Gaby Wunderlich (E-Bass) und Thomi Erb (acc) begrüssen mit Lüpfigem, begleiten Christine Steiger (Sängerin und Produktionsleiterin) bei Soyfers Lied «Gehn ma halt a bisserl unter». Ungemein rhythmisch gibt sich das Stück: Die elf Spieler, meist in mehreren Rollen, wuseln und springen über die Bühne und die Leiter hoch. Sie stecken in blauen Overalls, nur Accessoires markieren die Figuren, die sich auf einen «gepflegten exitus letalis» hin­bewegen. Nie stehen Stück und Spieler still, einige Szenen sind zum Brüllen komisch – dann quittiert das Publikum mit Zwischenapplaus. Und ist berührt, als der Komet eingesteht: «Die Erde ist die Liebe meines Lebens.»

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Weitere Vorstellungen bis 2.12., Theaterhaus Thurgau, Weinfelden. Infos und Reservation: theagovia.ch


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