Von der Volksmusik inspiriert

Einmal im Monat wird das stimmungsvolle Museum in Appenzell zum Konzertlokal. Diesen Freitag startet eine neue Serie mit Künstlern, die sonst eher selten zu hören sind – und mit aussergewöhnlichen Programmen.
03. Januar 2018, 05:20
Rolf App

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@tagblatt.ch

Seit vierzehn Jahren gibt es die Konzertreihe in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell, seither leitet Pianist Martin Lucas Staub ihre Geschicke. Momentan ist er sehr zufrieden. Denn «der Vorverkauf läuft prächtig. Wir liegen schon über der Zahl von 130 Abonnenten, die wir sonst im Schnitt haben. Es scheint, dass wir mit dem Thema ‹Vom Volkston zur Kunstmusik› trotz unserer anspruchsvollen Konzerte und oft wenig bekannten Künstler einen Nerv getroffen haben.» Allerdings fügt er bei: «Zu unserem Erfolg trägt sicher auch das Ambiente bei. Die Kunsthalle ist ein stimmungsvoller Ort, und er zeichnet sich durch eine hervorragende Akustik aus.»

Vor maximal 300 Zuhörern treten hier immer am ersten Freitag im Monat Solisten oder kleinere Formationen auf, regelmässig auch Martin Lucas Staubs eigenes, seit 20 Jahren bestehendes Schweizer Klaviertrio. Unter Jahrestiteln wie «(Un)bekannte Schönheiten», «Unterwegs – musikalische Entdeckungsreisen», «Florestan und Eusebius» oder «Brahmsiade» schlägt er gern Brücken – hinüber zum Jazz oder zu fremden Kulturen.

Dieses Jahr steht jener Einfluss im Zentrum, den die Volksmusik seit jeher auf die Kunstmusik ausgeübt hat – durch Melodien, durch Rhythmen und Tänze, harmonische Wendungen oder stilisierte Umformungen.

Monat um Monat ein ganz anderes Programm

Das fängt kommenden Freitag an mit Delikatessen der Salonmusik, dargeboten vom Ensemble Salon Passion des Tonhalle-Orchesters Zürich. Im Csardas oder in der italienischen Canzonetta klingt in dieser etwas vergessenen, leichten Musik auch immer wieder Volksmusik an. Barry Douglas, 1986 Gewinner des russischen Tschaikowsky-Wettbewerbs und seither dort ein Star, wird im Februar in Tschaikowskys Klavierzyklus «Die Jahreszeiten» Arrangements aus seiner Heimat Irland einbauen. Im März dann bringt der in New York wohnhafte Komponist und Saxofonist Daniel Schnyder im «vielleicht speziellsten Konzert der Saison» mit einem bunt zusammengesetzten Ensemble die Seidenstrasse zum Klingen. «Er schafft eine experimentelle Verbindung zwischen arabischer und chinesischer Musik – und dem westlichen Streichquartett. Da wird es Klänge geben, die das Publikum noch nie gehört hat.»

Oft bringt Martin Lucas Staub Künstlerinnen und Künstler nach Appenzell, die er schon länger kennt. Das gilt auch für die englische Sopranistin Felicity Lott. Nach einer Karriere, die sie in die grossen Opernhäuser geführt hat, liebt sie heute den Auftritt in kleineren Sälen und singt am 6. April von Benjamin Britten und Johannes Brahms bearbeitete Volkslieder.

Im Mai dann wird Staubs eigenes Schweizer Klaviertrio unter anderem mit Frank Martins «Trio sur les mélodies populaires irlandaises» auf das Thema Volksmusik eingehen. Nach der Harfenistin Giulia Ott und der Blockflötistin Laura Schmid, Preisträgerinnen des Migros Kulturprozents (1. Juni), führt am 6. Juli das russische Roma-Ensemble Loyko in die Wild- und Zartheiten der Zigeunermusik. Am 3. August gräbt «Hanneli Musig» in der reichen Schweizer Volksmusiktradition.

Dann ist, gleich zweimal, Martin Lucas Staub selber mit von der Partie: Am 7. September mit seinem Trio und dem in Nordamerika bekannten Klarinettisten James Campbell und schönen Raritäten wie Beethovens Variationen über «Ich bin der Schneider Kakadu», am 5. Oktober mit dem Aron Quartett und einem Programm, das Joseph Haydn, Hanns Eisler und Antonin Dvorák verbindet. Das Gryphon Trio aus Kanada nimmt am 9. November Motive aus Nahost und Indien auf, das Vokal­ensemble Tenebrae Consort schliesst das Jahr mit einem Reigen ab, der von traditionellen Melodien bis zu den Beatles reicht.

Freitag, 5. Januar: Salon Passion. Jahresprogramm unter www.h-gebertka.ch


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