Vielfalt kultureller Forschung

Zehn Werkbeiträge des Kantons St. Gallen und vier symbolische Hausschlüssel für die Kulturwohnung in Rom konnte Regierungsrat Martin Klöti am Mittwochabend im Theater Parfin de Siècle an Kunstschaffende übergeben.
25. Juni 2015, 02:40

ST. GALLEN. Bei der Vergabe der Werkbeiträge und Romaufenthalte zeigt sich immer wieder, wie qualitativ hochstehend und vielfältig das kulturelle Schaffen im Kanton ist. Allen gemeinsam ist neben dem klaren Bezug zum Kanton und dem künstlerischen Schaffen das professionelle Niveau, das unablässige Entwickeln und Umsetzen und schliesslich der Dialog mit dem Publikum. Die Unterstützung in Form eines Werkbeitrags oder eines Aufenthalts in Rom soll den Raum und die Zeit geben, Ideen und Projekte auszuarbeiten und die eigene künstlerische Tätigkeit weiterzuentwickeln.

Bleisatz und Skizzenblock

Aurelia Markwalder wird für ihr Unternehmen «Ernst und Mund» mit einer Online-Bleisatz-Druckerei zwei Welten miteinander verknüpfen: die analoge Arbeit mit Bleisatz und das Gestalten mit spezifisch programmierten Tools. Bei Lika Nüssli wiederum findet sich der Ursprung ihres Projekts in St. Petersburg. Sie war tief beeindruckt von den russischen Künstlern, wie sie politische Themen aufnehmen, auch wenn die freie Meinungsäusserung eingeschränkt wird. Nun möchte sie mit einer Vision eine phantastische Geschichte dazu zeichnend erzählen.

Fotografie und Malerei

Georg Gatsas ist bekannt für seine Porträts aus dem kulturellen Untergrund von New York und London. Nun will er die postmigrantische Schweiz fotografisch mit Porträts, Stillleben, Landschafts- und Momentaufnahmen erfassen. Ebenfalls mit der Kamera ist Jiri Makovec unterwegs. «ARoSpaBrnoLancy» steht für eine Reise durch Europa. Er sucht nach einem spielerischen und ziellosen Driften im Landschaftsraum.

Bei Vera Ida Müller geht es um Malerei und Bildrecherche. Ausgehend vom Gemälde «Kreidefelsen auf Rügen» von Caspar David Friedrich.

Krimi, Roman, Lichtmaschine

Die 25jährige Autorin Anna Bischofberger arbeitet an einem Krimi. Das bereits vorliegende erste Kapitel hat die Jury überzeugt: «Glasklar, geradezu makellos und wunderbar fliessend ist die Sprache und macht so auf das zukünftige Buch mehr als gespannt.» Urs Mannhart wiederum kann als Meister der literarischen Reportage gelten. In seinem Romanprojekt «Seltene Seen» verbindet er Elemente der Reportage mit denen des Familienromans und Politthrillers. Er thematisiert Munitionsversenkungen, welche auch im Walensee vorkamen, und lässt eine dort verwurzelte Figur auftreten. «Ein spannender Plot, ein relevantes Thema», schreibt die Jury.

Thomas Kuratli ist leidenschaftlicher Musiker (Thomaten und Beeren) und Tüftler zugleich. Seinen Werkbeitrag wird er dafür einsetzen, um eine Musik-Licht-Maschine zu entwickeln und zu bauen, eine Brücke zwischen analogem Instrumentenkonzert, elektronischer Musikperformance und Licht-Klang-Installation zu schlagen.

Träume und Wörter

Die St. Galler Compagnie Buffpapier wird für ihr Projekt «Theaterlabor für zeitgenössische Träume» recherchieren. Im Titel blitzt bereits das Absurde auf, für das die Gruppe mit ihren vielen bereits realisierten Produktionen bekannt ist.

Die Verbindung von Tanz und Sprache beschäftigt die Rapperswiler Tänzerin und Choreographin Nelly Bütikofer schon lange. In ihrem neuen Projekt möchte sie den beiden Wörtern «schon» und «noch» nachspüren. Dies in Zusammenarbeit mit Tanzenden und einem Sprachwissenschafter.

Vier zukünftige St. Galler Römer

Hannah Raschles Grossmutter arbeitete 1948 an der Rezeption der «Pensione Hannover» in Rom. Dies nimmt sie als Ausgangspunkt für ihr Projekt: Sie möchte diese Rezeption wiederbeleben – recherchieren, zeichnen, sich auf andere Geschichten einlassen. Für Fotograf Roger Frei wiederum stehen die über achtzig Architekturbaustellen in und um Rom im Mittelpunkt, die bis heute nie vollendet wurden.

Mit grossem künstlerischem und politischem Interesse blickt der Künstler Peter Kamm in die Welt. Mit dem Projekt «Mnemosyne – Bilderatlas» will er in Rom dem Bilderatlas von Aby Warburg nachspüren. Martin Benz nennt sein ebenfalls fotografisches Projekt «res publica», eine Arbeit zu Überwachung und Datensammlung im öffentlichen Raum. (red.)


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