Goethe, Schiller und 70 Funzeln

So beginnt eine Legende: «Walterundschalter – die legendäre Late-Night-Show» hat Premiere gefeiert. Das fetzt, das hat Tiefgang, das ist improvisiert und interaktiv, denn das Publikum macht begeistert mit.
07. November 2015, 02:50
DIETER LANGHART

FRAUENFELD. «Bitte nach der Vorstellung unbedingt zurückgeben.» Der Herr an der Kasse meint die Taschenlampe, nicht das Billett. Die Schweizer Armeefunzel, die jeder Zuschauer in die Hand gedrückt bekommt. Kugelschreiber und Tragtasche darf er behalten. So launisch «Walterundschalter» beginnt, so witzig geht die «legendäre Late-Night-Show» weiter. Donnerstag war Premiere in der Theaterwerkstatt. Fast ausverkauft.

Esprit und Nähe zum Publikum

Christoph «Sirgel» Hartmann und Roland Hofer zeigen ihr erstes Programm, und es funktioniert. Klar ist da ein wenig Lampenfieber zu spüren, klar sind die beiden Musiker nicht die geborenen Showmaster, klar gäbe es reichlich Vorbilder. All das macht das Duo wett mit Esprit und Nonchalance, mit frischen Einfällen und einem Verzicht auf Blödeleien. Und viel Nähe zum Publikum. Dem Sog von «Walterundschalter» kann es sich nicht entziehen, es wird einbezogen und macht begeistert mit, singt gar einen Schlagerrefrain mit.

Aller guten Dinger sind vier

Dabei wird es gleich zu Beginn mit der griechischen Antike konfrontiert. Auf Hippokrates' Vier-Elemente-Lehre baut Hartmann seine Show auf. Beweist haarscharf: «Überall ist die Zahl vier drin.» Springt zu den Temperamenten und weist nach, welcher Beatle der Sanguiniker, Choleriker, Phlegmatiker, Melancholiker war. Karikiert die vier mit Posen wesensverwandter Politiker, Hofer spielt die passenden Lieder.

Die Vier zieht sich durch das Programm um Sein und Schein, zeigt sich im schlichten Bühnenbild ebenso wie in den vier Farben – und dann erfahren die Zuschauer, was es mit den vier Knöpfen auf sich hat, von denen sie einen ausgewählt haben.

Ist das Goethe oder Schiller?

Und wozu die Taschenlampe mit dem grünen und dem roten Filter gut ist – um zu belegen, wie sattelfest sie in der «Goethe-oder-Schiller-Challenge» sind. «Die Fragen wechseln in jeder der sechs Vorstellungen», versichert der künstlerische Leiter Giuseppe Spina. Ebenso ändern die zwei Gäste, die eingeladen werden und eine weitere Challenge mit rot-grüner Publikumsabstimmung bestreiten.

Nationalrätin Edith Graf-Litscher und Schlagersänger Roger De Win geben sich zur Premiere locker und gewitzt. Und bringen Walter und Schalter beim Improvisieren an der Gitarre gehörig ins Schwitzen. Starker Applaus.

Weitere Shows: Sa, 7.11., Fr, 27.11., Fr/Sa, 4./5.12., je 20 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld. karten@theaterwerkstatt.ch www.walterundschalter.ch

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