Zwei Kerzen brennen im Gedenken an den 59-Jährigen, der am Samstag in Märstetten vom Zug erfasst worden ist.
Laut Aussagen aus dem Umfeld des Opfers scheint es so, dass der Betreffende die Gleise überquert habe, weil er sonst mit einer nicht entwerteten Mehrfahrtenkarte in den Zug nach Frauenfeld hätte steigen müssen: Das Entwertungsgerät auf dem südlichen Perron sei von Vandalen vor etwa einer Woche demoliert worden. Die SBB haben es bis heute nicht ersetzt. Der Mann sei auf dem Weg zu seiner 80-jährigen Mutter ins Spital gewesen und habe offenbar unter keinen Umständen den Zug um 8.44 Uhr verpassen wollen. Der reguläre und legale Weg zurück auf den nordseitigen Perron mit funktionierendem Entwerter dauert aber hin und zurück mehr als vier Minuten.
Busse eingesetzt
Die Bahnstrecke Frauenfeld–Romanshorn blieb bis 10 Uhr gesperrt. Zwischen Frauenfeld und Weinfelden wurden Busse eingesetzt, was laut SBB-Mediensprecher Christian Ginsig zu 30-minütigen Verspätungen führte. Danach konnten die Züge bis 13 Uhr nur einspurig verkehren, wobei sich die Verspätungen laut Ginsig nurmehr im Bereich weniger Minuten bewegten.
Wie Ginsig betonte, verfügt der Bahnhof Märstetten über gut sichtbare Warntafeln «Überschreiten der Gleise verboten». Auch die neue Perronhöhe von 55 Zentimetern soll verhindern, dass Bahnreisende die lebensgefährliche Abkürzung über die Gleise benutzen. Karrenübergänge, wie sie früher auf Bahnhöfen üblich waren, gebe es in Märstetten nicht.
Beim Unfallzug handelte es sich laut Christian Ginsig um einen aus drei Einheiten zusammengesetzten, 300 Meter langen Doppelstöcker der Zürcher S-Bahn, der ohne Fahrgäste zu Testzwecken unterwegs war.
Polizei sucht Zeugen
Hinweise nimmt der Kantonspolizeiposten Märstetten unter Telefon 071 221 46 90 entgegen.
(ThurgauerZeitung)