Ist die Aroniabeere wirklich so wertvoll?

Beeren werden in Rotkreuz gezüchtet. (Bild: Stefan Kaiser/PD)
RATGEBER ⋅
13. Januar 2018, 10:12

Die Aronia, auch Apfelbeere genannt, ist eine violette, fast schwarze erbsengrosse Beere. Sie ist wachsartig überzogen und gleicht der Heidelbeere. Aroniabeeren schmecken frisch eher herb und leicht bitter, getrocknet süsssäuerlich-herb. Das arttypische Aroma mundet nicht allen auf Anhieb.

Die Beere ist reich an Vitaminen (B1, B2, B5, B6, C, Folsäure, E, K), Mineralstoffen (Kalium, Kalzium, Magnesium, Zink) und Nahrungsfasern. Charakteristisch sind die Farbstoffe der Beere, die Anthocyane. Der Gehalt entspricht dem der Holunderbeere. Sie färben Konfitüren, Gelees und Getränke bordeauxrot. Gleichzeitig sind sie wertvolle Antioxidantien, die gegen freie Radikale (aggressive Sauerstoff-Verbindungen im Körper, die Zellen schädigen und im Extremfall zu Krebs führen können) wirken und so Zellen und Gewebe des Menschen schützen. Den Aroniabeeren sagt man nach, dass sie die Durchblutung verbessern, die Verdauung normalisieren und bei inneren Entzündungen helfen. Das Essen grösserer Mengen roher Beeren wird aber wegen des Amygdalingehalts (setzt Blausäure frei) nicht empfohlen.

Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe ist die Aronia tatsächlich eine wertvolle Beere – doch hält uns nicht ein einzelnes Nahrungsmittel gesund, sondern eine ausgewogene Ernährung. Dazu ist die Menge, die man isst, eher klein.

Im Handel angeboten wird reiner Aroniasaft oder Mischungen unter anderem mit Tee, Agavendicksaft, Acerola oder Apfelsaft. Der Saft kann mit Apfelsaft oder Mineralwasser verdünnt oder zu Gelees verarbeitet werden. Das kräftige Beerenaroma kommt sehr gut in Konfitüren –etwa in Kombination mit Äpfeln und wenig Zimt – zur Geltung. Getrocknet können Aronia wie andere Dörrfrüchte eingesetzt werden. Für Müeslis oder in Muffins empfiehlt es sich, die getrockneten Beeren vorher in Wasser einzulegen. Inzwischen findet man Aroniaextrakt sogar in einer Schokolade.

Interessant ist der Farbstoff auch für die Nahrungsmittelindustrie. Auch bei hundertfacher Verdünnung ist die Farbe noch deutlich zu erkennen. Das heisst aber auch, dass Flecken unbedingt zu vermeiden sind.

Die Aroniabeere stammt aus Nordamerika. Sie galt den Indianern als Kraftnahrung und Heilmittel. Der Strauch gehört zur Familie der Rosengewächse. Er wird bis zu 2 Meter hoch, ist anspruchslos, ideal auch für den biologischen Landbau und den Hausgarten. Im Mai treibt er kleine weisse Blüten, angeordnet in flachen Dolden. Die Beeren sind ab August reif. Ein Strauch bringt bei gutem Witterungsverlauf zirka 6 Kilo Beeren.

In der Schweiz erst seit 2007

Die Beere verbreitete sich in Russland und anderen Ländern des Ostens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In die Schweiz gelangte sie erst 2007. Erste Versuchsanlagen wurden im Thurgau angelegt. 2009 wurde die Interessengemeinschaft Aronia gegründet mit dem Ziel, den Anbau in der Schweiz zu fördern. Inzwischen stehen auf über 40 Hektaren 100000 Aroniasträucher. So kann die stark steigende Nachfrage teilweise aus einheimischer Ernte gedeckt werden.

Kurzantwort 

Die Aronia mit ihrem hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Farbstoffen (Anthocyane) – die vor Schäden an verschiedenen Körperzellen schützen – ist tatsächlich eine sehr wertvolle Beere. Doch wiederum: Es ist nicht ein einzelnes Nahrungsmittel, was uns gesund hält, sondern eine ausgewogene Ernährung. 

 
Monika Neidhart, Goldau
Hauswirtschaftslehrerin und Fachjournalistin MAZ/FH


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