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Tagblatt Online, 30. Juni 2011 07:25:00

Hoffen nach dem Gastro-Flop

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Besucherflaute in der Innenstadt: Nicht nur am ersten, regnerischen Musikfest-Wochenende haben die Wirte rote Zahlen geschrieben. (Bild: Michel Canonica)

Die Musikfest-Bühnen sind abgebaut, zurück bleibt die ernüchternde Bilanz bei St. Galler Wirten. Einige finden sich mit den roten Zahlen ab, andere hoffen auf ein Entgegenkommen des OKs. Gespräche laufen – noch gibt's aber keine Einigung.

Ralf Streule

Querbeet durch die Innenstadt ist die Ernüchterung gross. Das Eidgenössische Musikfest hat für die Wirte auch am sonnigen zweiten Wochenende finanziell nicht das gehalten, was sie erwartet haben (Tagblatt vom Dienstag). Viele schreiben Defizite, da sie für die Aussenbewirtung hohe Gebühren an den Veranstalter bezahlen mussten.

Von «Hörnli» bis «US-Mex»

Das Ausmass der roten Zahlen zeigt sich in einer Wirte-Umfrage. Ahmed Arsalan vom «Hörnli» an der Neugasse spricht von einem Defizit von rund 15 000 Franken. «Wir haben mehr Personal aufgeboten und 5000 Franken für die Platzmiete bezahlt.» Mehr Gäste seien aber nicht gekommen. Wohl auch, da in der Nähe viele Essensstände plaziert worden seien. Schlecht sieht auch die Bilanz des Restaurants Marktplatz nebenan aus, wie Gastronom Peter Schildknecht in einem Bericht der «St. Galler Nachrichten» sagt. Die Stände vor dem Restaurant wurden nach dem ersten Wochenende abgeräumt. Auf Anfrage wollte sich Schildknecht gestern nicht weiter zum Thema äussern.

Dass die Situation auch mitten in der Festmeile beim Bohl nicht besser war, erklärt Markus Ritzinger vom Restaurant US-Mex. 8000 Franken habe man für die Bewilligung bezahlt. Vergebens: «Beide Wochenenden waren eine Riesenenttäuschung.» Ein Fest-Boykott am zweiten Wochenende sei aber keine Option gewesen: «Das <US-Mex> lebt von der Terrasse.»

«Verlust gehört zu Berufsrisiko»

Viele der angefragten Wirte scheinen sich mit der Situation abgefunden zu haben, haken das Musikfest ab und bezeichnen den Verlust als «Berufsrisiko». So zum Beispiel Ahmed Arsalan vom Hörnli: «Was bezahlt ist, ist bezahlt.» Ritzinger vom «US-Mex» jedoch zeigt sich kämpferisch. Er hoffe, dass das Fest-OK einen Teil der Einbussen finanziere, sagt er. Das gleiche hofft auch die Migros, die das Catering im Spelterini-Zirkuszelt betrieb und gemäss Mediensprecherin Judith Bösch ebenfalls Defizite zu beklagen hat.

Mit einer Beteiligung des OK rechnet auch Ingo Schütz vom Vögeli-Beck an der Spisergasse. Dort habe man den Aussenbetrieb auch am zweiten Wochenende aufrecht erhalten, obwohl es sich nicht ausbezahlt habe: «Für ein St. Galler Geschäft gehört es aber an einem Fest nun mal dazu, in der Gasse präsent zu sein.»

«Anträge werden bearbeitet»

Beim OK sind bisher nur wenige Anträge von Gastronomen eingegangen, wie Fest-Geschäftsführer Roger Tinner sagt. Diese werde man in den kommenden Wochen im Rahmen der Gesamtabrechnung bearbeiten. Zu sagen sei jedoch, dass rechtsgültige Verträge zwischen dem Veranstalter und den Wirten bestünden.

Anders sei die Situation beim Grüningerplatz, wo die Bühne wegen Besuchermangels nach dem ersten Wochenende abgebrochen wurde. Dort habe der Veranstalter die «im Gesamtvertrag aufgeführten Leistungen» nicht erfüllt, sagt Tinner. Ob und wie genau man den Gastronomen entgegenkomme, sei aber noch Inhalt von Gesprächen und darum nicht spruchreif. Bei den Geschäftsführern Walter Etterlin vom «Camillo» und Walter Tobler vom «National» tönt es schon konkreter: Das OK habe bereits nach dem ersten Wochenende eine Rückerstattung der gesamten Platzmieten versprochen.

Genaue Zahlen zur Festabrechnung dürften gemäss Roger Tinner aber ohnehin noch auf sich warten lassen: Die «finanzielle Aufarbeitung» des Fests dauere wohl noch bis im Herbst. Vor fünf Jahren in Luzern seien die Zahlen schliesslich auch erst Ende Jahr veröffentlicht worden.





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