«Microsoft ist plump, nicht konkurrenzfähig»
Aktualisiert am 08.02.2010 20 Kommentare
Dick Brass
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Börsenkurs
Zuerst die guten Nachrichten für Microsoft und seine Fans: Der grösste Softwareentwickler der Welt hat gemäss dem ehemaligen Vizepräsidenten Dick Brass eine «beneidenswert erfolgreiche» Gegenwart, Produkte wie Windows oder Microsoft Office beherrschen den Markt und Microsoft macht riesige Gewinne, alleine im letzten Quartal 6,7 Milliarden Dollar.
Trotz diesen salbungsreichen Worten dürfte der Kommentar des ehemalige Firmeninsiders in der «New York Times» bei Steve Ballmer und seiner Mannschaft für rote Köpfe sorgen. Denn der Artikel strotzt nur so vor Seitenhieben und Anschuldigungen.
Systembedingter Innovationsmangel
Brass' Hauptkritik betrifft vor allem die fehlende Innovationsbereitschaft des Unternehmens. Redmond sei «ungeschickt und nicht wettbewerbsorientiert», hält der Ex-Microsoft-Manager fest. Microsoft stehe völlig im Schatten von Konkurrenzprodukten wie iPhone, Kindle, Blackberry, Google und iTunes. Dieser Innovationsmangel ist laut Brass quasi systembedingt: Oft seien neuen Produkte bereits im Entwicklungsstadium gestoppt worden.
«Microsoft ist ein plumper, nicht konkurrenzfähiger Erfinder geworden», heisst es in der «New York Times»-Kolumne. «Seine Produkte werden verspottet, manchmal auf unfaire Weise, aber manchmal auch aus gutem Grund. Microsofts Image hat sich nie erholt von den Antitrust-Klagen der 90er Jahre.»
Im Schatten der Konkurrenz
Satte Gewinne seien gut und recht, das Problem liege indes darin, dass diese fast ausschliesslich mit Windows und Office erwirtschaftet werden – Software, die schon Jahre auf dem Buckel haben. «Microsoft ist Amerikas grösstes und erfolgreichstes Technologie-Unternehmen. Warum entwickelt man nicht mehr Zukunft – Produkte wie den iPad, E-Books wie Amazons Kindle, Smartphones wie den Blackberry oder das iPhone, Suchmaschinen wie Google, digitale Musiksysteme wie iPod und iTunes oder beliebte Netzwerke wie Facebook und Twitter?»
Dick Brass vergleicht das Redmonder Unternehmen mit einem krisengeschüttelten Autobauer. Wie General Motors nicht auf seine Lastwagen und SUVs bauen kann, so kann Microsoft nicht hoffen, dass seine ehrwürdigen Produkte das Unternehmen für immer stützen.
Microsofts Konter auf dem Firmenblog
Microsofts Antwort liess nicht lange auf sich warten. «Natürlich sind wir gar nicht einverstanden mit dieser Kritik» («Obviously we disagree»), heisst es im offiziellen Firmenblog. Laut Microsofts Firmensprecher Frank Shaw geht es dem Unternehmen überhaupt nicht darum, Innovationen schnell zu realisieren. Es genüge nicht, einfach nur eine gute, grossartige oder gar coole Idee zu haben – Innovationen müssten auch breit umgesetzt werden können.
Und dies ist für Shaw auch gelungen: So sei die Xbox die erste Spielkonsole gewesen, die herunterladbare Games, hochauflösendes Fernsehen, Facebook und Twitter in die Wohnzimmer gebracht habe. Viel Potenzial sieht Microsoft im Project Natal: Damit werde es noch dieses Jahr möglich sein, Computerspiele ohne Controller zu ermöglichen. (rek)
Erstellt: 08.02.2010, 13:28 Uhr
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20 KOMMENTARE
Ich arbeite gerne mit Windows! Aber mehr und mehr wird die Arbeit vermiest durch die aufdringliche Art, mit der Microsoft ihre Aktivitäten auf vermeintliche oder tatsächliche unberechtigte Nutzniesser von Programmteilen penetrant heimsuchen. "Ist dies eine Windows Originalversion"? Genuin...blablabla. Up dates Fehlanzeige! Programme wie Windows life und ähnliches sind nur durch Freaks löschbar
Öffentliche Verwaltung (und mit Vorteil auch Privatnutzer) sollten auf Programme (OpenOffice, Firefox, Thunderbird) umsteigen, die 1) gratis sind und 2) auf allen wichtigen Betriebssystemen laufen. Dies würde die Abhängigkeit von MS reduzieren und ein allfälliger Umstieg auf Linux wäre in einem 2. Schritt leichter realisierbar.
Vieles ist bei Microsoft in die Hose gegangen (Zune, Suchmaschine, Vista..). Das MS Office ist aber fast überall Standard und zum Glück muss man nicht unbedingt updaten, ich habe immer noch Office 2000. Die Betriebssysteme werden gebundelt verkauft, Update sind meist kein Thema ausser wenn Hardware ersetzt wird. Viele Firmen arbeiten mit Win XP und wollen nicht andauernd updaten.
Wer schon mal bei Microsoft in deren Science Fiction-House in Redmond war, wird mir recht geben: grössenwahnsinnige Bubenträume gepaart mit Selbstverliebtheit und riesigen Gewinnen, aber eigentlich wird seit 30 Jahren immer der gleiche Traum vom absolut stabilen Operationsystem verkauft inkl. mindesten 100'000 fehlerhaften Programmierzeilen. Na ja, auch ich hab nun nach 25 Jahren einen Mac gekauft
Das einzig gute von MS ist das Office Paket. Der Rest wird sich in den nächsten Jahren erübrigen. MAC wird alles übernehmen.
Noch heute verwende ich XP. Robust, schnörkellos, übersichtlich. (oder die bis dato beste Kopie vom Apple-System) Warum bloss schafft es MS selbst nach 10 Jahren nicht, genau dies fortzuführen? VISTA war ein träger, fetter Pfau und auch Win07 ist ein überladener Stromfresser. Sicherheitslücken und fehlende Kompatiblität mit Druckern die erst 5 Jahre alt sind. Ist es so schwierig oder tut man so?
Die Headline ist nicht fair. Auch wenn ich lieber auf einem MAC arbeite, anerkenne ich doch, dass MS mit den Office-Anwendungen einen de facto Standard geschaffen hat, der die Zusammenarbeit unter Büromenschen erst richtig ermöglicht. Manchmal wäre allerdings weniger mehr, denn nicht alle Neuerungen sind so toll wie die Entwickler dachten. Übrigens: Ballmer sollte mal die Story von IBM lesen...
Ich bin ganz froh,dass ich für die Büroarbeit MS Anwendungen habe,die zwar bieder und langweilig daher kommen,aber nicht darauf ausgelegt sind,dass ich ihnnen ständig Geld in den Rachen schütten muss.So sehr ich zu Hause meinen Mac liebe und ohne IPod zu Grunde gehen würde.
Bei Microsoft könnten die Cash-Cows Windows und Office längerfristig ein Problem werden.Neue Betriebssysteme bieten keinen grossen Mehrwert mehr, die ein mit Kosten verbundener Umstieg nicht mehr rechtfertigen. Auch bei Office wird nur noch an der Oberfläche poliert und bietet viele Funktionen, die nie genutzt werden. Zudem gibt es immer mehr kostengünstige und gute Alternnativen.
Meine EInschätzung ist, dass nicht nur Microsoft wenig Innovationskraft hat, sondern oft auch Microsofts Kunden. Z.B Schweizer Kantonsspitäler berappen mehrere tausend Microsoft-Office-Lizenzen, zeigen aber im administrativen Bereich kaum zeitgerechte Innovation.
Obwohl ich bei der Arbeit (in der Computerbranche) immer nur mit Windows Arbeite, würde ich zu Hause nie auf die Idee kommen Windows Produkte einzusetzen. MacOSX läuft schneller und besser als Windows 7 und sieht auch noch schöner aus. Die Xbox ist ausschliesslich für Ballerspiele geeignet, Wii und PS3 find ich besser und innovativer. Von Handys und MP3 Playern muss man gar nicht sprechen!
Das scheint der Lauf der Dinge zu sein. Bei IBM war es dazumal ja aehnlich ...
... beim Lesen dieses Artikels muss ich an "Games for Windows" denken. GfW wurde von MS gross angekündigt - aber was ist daraus geworden? MS hat sich auf Xbox live konzentriert, Games for Windows dagegen vegetiert bedeutungslos vor sich hin ...
das problem ist nur, dass zb das win7 technisch immer noch ein urgestein ist, aber trotzdem null kompabilität zu xp und teilweise sogar zu vista ist! nicht mal ein update des betriebsystems ist möglich... also ich würde mir als firma stark überlegen, auf eine andere sicherere plattform zu wechseln.
Ich bin auch der Meinung, dass Microsoft im Businessbereich in einer Zwickmühle ist und alte Zöpfe nicht so einfach abschneiden kann. Microsoft verzettelt sich zudem in zuviele neue Geschäftsfelder, die sie zuerst verschlafen haben,dann doch mitmischen wollen.In diesen Zweigen nützt Ihre Marktmacht nichts,sie müssen echte Innovation zeigen und können die Konkurrenz nicht mehr einfach aufkaufen.
Geschäftskunden haben auch andere Bedürfnisse als Private und Computerfreaks, welche immer auf die neuesten Gimmicks abfahren. Die meisten Microsoft Produkte haben nämlich eine erstaunlich lange Laufzeit und es gibt noch viele Firmen, welche zufrieden mit Windows 2000 und alten Office-Lösungen arbeiten. Nicht umsonst wird das solide Betriebssystem XP länger als überladene Vista supportet.
Brass hat bringt es auf den Punkt. DOS wurde durch IBM weltbekannt, war aber mangelhaft. Windows als Nachfolger hat viele Probleme schlecht gelöst (Stabilität, Sicherheit). Nur dank dem damaligen Monopol von DOS ist Windows führend im Markt obwohl andere Systeme viel besser und stabiler sind. Firmen können schlecht wechseln wegen den enormen Kosten. Viele neue Produkte waren Flops (Zune u.a.).
Leider gilt nur innovativ, was glitzert und die Blicke auf sich zieht. Gerad in der IT-Branche steckt aber unendlich viel Technologie und Innovation _unter_ der Haube. Die wenigsten Leute können sich davon ein Bild machen, weshalb die meisten IT-Firmen nur wenige Emotionen wecken, im Gegensatz beispielsweise zu Auto-, Kleider- oder Heimelektronik-Marken.
Problem: Microsoft darf es sich nicht mit den Geschäftskunden verscherzen. Und die hassen es, wenn morgen alles anders ist als heute, was bei einer konsequenten Umsetzung von Innovationen durchaus der Fall sein könnte. Insofern ist es nur logisch, dass Microsoft eher langsam und bedacht Innovationen einsetzt und umsetzt.
Eines muss man MS lassen: im abkupfern sind sie Weltmeister. Hätten sie nicht Reagan und Bush sen. an den Wahlkampf bezahlt wären sie vor den "unabhängigen -lol" Gerichten nicht verschont geblieben. Es ist dort, wie bei uns...
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