Neuer Treffpunkt für Unvorhergesehenes

Am Freitag feierte der Verein «forum andere musik» den Eröffnungsabend des «Salon précaire». Geboten wurden Videoinstallationen und die Verbindung von Jazz und albanischer Musik.
27. Juni 2010, 01:30
frauenfeld – Obwohl unsicher war, was da kommt, und auch ungewiss, was «Salon précaire» meint – die Anhängerschaft und Sympathisanten des Kulturvereins «forum andere musik», hielt weder der prachtvoll lange Sommervollmondabend noch der entscheidende Fussballmatch Schweiz gegen Honduras davon ab, sich auf die Suche nach dem Unort Bahnhofstrasse 102 in Frauenfeld zu machen. Der diesjährige Veranstaltungszyklus von «forum andere musik» wird also – nach langer, mühevoller Suche nach einem leeren Raum – in diesem ehemaligen Ladenlokal durchgeführt, mit festem Programm bis Dezember, aber auch mit spontanen Suppléments dazwischen. Vor allem soll der Salon dem Austausch dienen, unter den eingeladenen Künstlern verschiedener Sparten wie auch unter den Kulturkonsumierenden. Das zumindest ist am Eröffnungsabend am Freitag mühelos gelungen, die privaten Gespräche nahmen einen grossen Raum ein.

Fremdes sehen lernen

Anlass dazu gaben die Videoinstallation «Squipëria/sehen wie das ist» (2009) von Steffenschöni und thematisch damit verbunden der Auftritt von Elina Duni mit den Musikern Colin Vallon am
Piano, Bänz Oester am Bass und Norbert Pfammatter am Schlagzeug. Elina Duni – eine Sängerin, die traditionelles albanisches Liedgut mit Jazz verbindet, der in Albanien keine Tradition hat. Ihr Repertoire bedient sich aber auch Gesangsüberlieferungen quer durch den Balkan bis nach Griechenland und der Türkei. Die in der Schweiz aufgewachsene Elina Duni hat die vielfältige Musik Osteuropas für sich entdeckt und präsentiert sie jetzt zusammen mit den einfühlsamen Musikern in eigener Interpretation und sinnlicher Ausstrahlung. Aufgebrochen wurde diese Stimmung mit einem gar kurzen kritischen Einwurf des Journalisten und Ethnologen David Signer, der Mühe habe, solche Kunstvideos (verwackelt und dilettantisch dem Thema gegenüber) zu goutieren. Wie er zuerst meinte, sei auch die von Steffenschöni gefilmte Reise durch Albanien bis Tirana so entstanden. Dann aber war er doch betroffen von der Direktheit und Nüchternheit, wie ihm das Gefilmte entgegenkam.

Anregung zur Diskussion

Dass aber hinter dieser Reise ins Ungewisse doch sehr viel Absicht, Recherche und nachherige Aufarbeit war, konnten die beiden Künstler nur noch ansatzweise herüberbringen. Der kurze Kommentareinschub sollte genügen, um das Gespräch der Anwesenden selbst anzustossen. Das Thema, wie wir das Fremde erleben, wäre aber wert gewesen, noch mehr Hintergrund dazu zu liefern.lBARBARA FATZERSupplément 1: Laute ZählungMittwoch, 30. Juni, 20.15 Uhr. Peter Schweiger (Sprecher), Petra Ronner (Klavier): Melodramen, Sprechmusik und Musiksprachen.
Salon 2: Freitag, 30. Juli, 19 Uhr.
Bahnhofstrasse 102. www.forumanderemusik.ch

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